INDUSTRIEKULTUR im Dialog | Wohnen am Werk - Die Siedlungen Charlottenhöhe und Zuckerberg
Die Siedlung auf der Charlottenhöhe gegenüber dem Schlösschen Richmond gehört seit ihrer Entstehung zu den attraktivsten Wohngebieten Braunschweigs, trotz seiner eingezwängten Lage zwischen Bahngleisanlagen und der A39. Auf dem weiten Gelände des ehemaligen, um 1840 östlich der Wolfenbütteler Straße angelegten herzoglichen Parks entstanden ab den 1880er Jahren bürgerliche Gartenanlagen mit Villenbebauung. In den 1920er Jahren folgte die Erschließung des angrenzenden Zuckerbergs mit großzügigen Villengrundstücken. Braunschweiger Architekten, allen voran Karl Munte, bauten hier für sich und das Direktorium der unweit liegenden Büssingwerke komfortable Wohnbauten im Landhausstil der Zeit. Daran angrenzend wurde 1929 dem großbürgerlichen Bauen im Osten mit dem Bebelhof ein bemerkenswertes Zeugnis des sozialen Wohnungsbaus entgegengesetzt.
In dem Vortrag erläutert der Architekturhistoriker Dr. Simon Paulus, wie sich die industrielle und gesellschaftliche Entwicklung Braunschweigs nicht zuletzt auch in der Architektur der Siedlung ganz konkret abbildet – als ein Spannungsfeld gebauter Manifeste zwischen feudalem Wohnen der späten Kaiserzeit und dem baupolitischen Diskurs in Braunschweig während der Weimarer Republik.
Dr. Simon Paulus