Georg Büchner: Lenz. Aufbrüche - Umbrüche in der Literatur
„Den 20. ging Lenz durchs Gebirg“. Mit diesem Satz beginnt eines der berühmtesten Werke der deutschen Literatur, das, wie Peter Schneider in einer Hommage für die ZEIT-Bibliothek der 100 Bücher festgestellt hat, „jedes historisierende Interesse von sich abschüttelt und den Leser sogleich wie eine innere Stimme anspricht.“ Im Mittelpunkt der 1839 posthum erschienenen, unvollendet gebliebenen Erzählung „Lenz“ von Georg Büchner steht der Sturm und Drang-Dichter Jakob Michael Reinhold Lenz. Psychisch angeschlagen, sucht Lenz bei dem elsässischen Pfarrer Oberlin Zuflucht und Geborgenheit. Doch was als Aufbruch mit rauschhaften Entgrenzungserfahrungen beginnt, endet in Wahnsinn und Aussichtslosigkeit. „Die Welt, die er hatte nutzen wollen, hatte einen ungeheuren Riß; er hatte keinen Haß, keine Liebe, keine Hoffnung – eine schreckliche Leere, und doch eine folternde Unruhe, sie auszufüllen. Er hatte nichts.“ Die Erzählung fasziniert durch die ungeheure Dichte, mit der Büchner die Wahrnehmungen und den zunehmenden mentalen Verfall des Protagonisten schildert. Zugleich ruft sie zur Auseinandersetzung mit auch heute noch aktuellen Fragen auf: über den Zusammenhang von repressiven Normen und psychischer Gesundheit, zur Frage von Abwehr und Akzeptanz, zur Frage: Wer hilft? In der Veranstaltung werden ausgewählte Passagen der Erzählung gelesen sowie Werk und Biografie von Autor und Figur in den literaturgeschichtlichen Kontext eingeordnet.